Buchvorstellung

Britta Wackernagel

Buchinhalt


Wenn die Gedanken laufen lernen...

Dezember 2006 - Nägel mit Köpfen
Januar 2007 - Gesteigerte Aufmerksamkeit
Februar 2007 - Kampf an zwei Fronten
März 2007 - Couragierte Quantensprünge
April 2007 - Hürdenlauf der Gefühle
Mai 2007 - Tausendfaches Siegerlächeln

...und Lebensträume endlich wahr werden.

Adressen und Links


Technische Daten zum Buch - 240 Seiten mit zahlreichen Fotos


LESEPROBE 1


Montag, 25.12.2006

Glück gehabt


In den Ferien komme ich langsam mit den Wochentagen durcheinander. Eine neue Laufwoche hat zwar begonnen, aber wir sind mitten in unserer Jena-Trainingseinheit. Da gilt eine andere Zeitrechnung. Die bunten Weihnachtsteller, die Vati jedes Jahr so liebevoll komponiert, verzeichnen nach einem Tag schon erste Verluste. Da ist ein Läufchen zum Kalorien verbrennen angebracht. Nach dem Mittagessen erscheint uns das eher unmöglich. Weihnachtsgans, Thüringer Klöße und die fettige Soße liegen dann wie die berühmten Wackersteine aus dem Märchen Rotkäppchen im Magen. Also geht es wieder am Vormittag auf die Piste.

Nachdem mir die Strecke gestern so gut gefallen hat, haben wir nach einschlägigem Kartenstudium fünf Kilometer mehr geplant. Leider ist es wieder neblig, ganz feiner Nieselregen tropft auf die Blätter am Waldboden und bricht die sonst übliche Stille. Der Boden ist gefährlich glatt. Plötzlich dreht sich mein linker Fuß seitlich nach außen, eine Wurzel hatte sich zu gut getarnt. Nach einer Minute des Schocks kann ich wieder auftreten. Mein Hobbydoktor ermutigt mich, locker weiterzulaufen. Glück gehabt, ich kann noch traben. Die Bänder haben doch schon eine gute Festigkeit und Stabilität erreicht. Auf diesen stark wechselnden Bodenverhältnissen ist der Trainingseffekt recht hoch.

Inzwischen dringt der Straßenlärm der Hauptstrasse bis zu unseren Ohren. Das ändert sich aber von einer Sekunde auf die andere, als wir nach einer Spitzkehre wieder einem Tal folgen. Links streifen wir fast die Muschelkalkwände, die steil nach oben ragen, rechts geht es fünfzig Höhenmeter abwärts. Hier wäre ein Fehltritt tödlich. Die Quelle mit dem eiskalten Wasser erreichen wir heute drei Minuten später, wartet doch mit dem direkten Steilanstieg ein härterer Berg als gestern.

Mit einen Schluck aus der Wasserflasche und einem Stück viel zu trockenen Früchteriegel -da bleibe ich doch bei meiner gewohnten Marke - gehe ich die neue Herausforderung an. Rasant gewinne ich an Höhe. Die Wadenmuskeln und Achillessehnen werden auf das Äußerste gedehnt. Der Puls schießt nach oben, das ist wohl der sogenannte anaerobe Bereich. Was das genau ist, muss ich nochmals nachlesen. Habe ich so aufgeschnappt. Während ich nach 6 Minuten oben bin, hat Dirk mir tatsächlich eine Minute abgeknöpft. Der Respekt vor jedem Rennsteiglauf - FINISHER steigt, aber auch die Lust, selbst einer zu sein. Ich habe Blut geleckt. Die flache Anschlussrunde kommt mir zum Lockern sehr gelegen. Am Auto schnell die Klamotten gewechselt, Erkältungen können wir nicht gebrauchen. Meinen Fuß reibe ich mit Arnikatinktur ein. Das wirkt Wunder.


LESEPROBE 2


Donnerstag, 10.05.2007

Der letzte Speedtest


Angespornt durch das Trainingsprogramm der Filmläufer plane ich für heute einen letzten Geschwindigkeitstest. Kurze-Hosen-Wetter verrät der Wetterbericht am Morgen. Das passt ja super ins Konzept. Keine Verletzungsgefahr, wenn die Muskeln beim Sprint auf das Äußerste gereizt werden. Bis es soweit ist, steuere ich mein Arbeitsboot wie ein Seemann durch die Wogen der Kommunikation. Auch da sind Reizungen keine Seltenheit. Nur sind hier die Nerven betroffen. Die Wellen schlagen ab und zu recht hoch und drohen über mir zusammenzubrechen, wenn ich nicht sofort gegensteuere. Am Computer kann ich schlagartig eine Pause einlegen, in Ruhe die Antwort vorbereiten, nochmals lesen, umformulieren. Von Angesicht zu Angesicht vermisse ich manchmal noch die nötige Gelassenheit und die berühmte Schaltsekunde. Ich sollte noch öfters bis drei zählen und alles wäre halb so wild. Die wohl kürzeste Pause, aber die wirkungsvollste!

Draußen in der Natur, allein mit meiner Stoppuhr, kann mir keiner was. Voll konzentriert teste ich heute meine Beschleunigungsfähigkeit, meine Puste bei hohem Tempo. Die im letzten Fahrtspiel vor dem Wettkampf gesetzten Muskelreize sollen mich vor dem Trott bewahren. Der kann nämlich schnell kommen, wenn der berühmte Schweinehund am Durchhaltewillen beim Marathon nagt. Mit einer Tempoeinlage aus heiterem Himmel kann ich im Wettkampf enorm viel bewirken. Sei es um einen netten, schnelleren Läufer für einige Meter begleiten zu können oder eine piepsende Laufuhr loszuwerden oder eben diesem Schweinehund in gut getimten Abständen zu suggerieren, dass er bei mir keine Chance hat. Wenn er das Gefühl hat, dass ich einschlafe und er die Oberhand gewinnen könnte, drehe ich mal kurz an der Geschwindigkeitsschraube und verpasse ihm einen Denkzettel. Nicht mit mir!

Siebenmal ziehe ich heute diese Tempoeinlage durch. Jeweils am Ende der schnellen Minute jage ich den Puls auf Hochtouren. Die nächsten Minuten kühle ich den Herzmotor wieder runter. Auf diese Pumpe muss ich mich voll verlassen können. In einer Stunde hat mein Herz schon etwa 8400 Schläge gemeistert. Multipliziert mit fünf Stunden, die ich nächste Woche unterwegs sein werde, komme ich also auf 42000 Mal. So genau habe ich das bisher noch gar nicht angeschaut. Es läuft rund. Ich kann den kurzzeitig überhitzten Motor kontrolliert wieder runter fahren. Von der Seite droht also keine Gefahr. Der rechte Fuß scheint auch okay zu sein. Selbst bei den schnellen Schritten spüre ich nichts Auffälliges. Mit der Gewissheit, dass alle Puzzleteile rechtzeitig zueinander finden, nähere ich mich dem Ende der zehn Kilometer Laufeinheit.